Tarantula
Theraphosidae
Überblick
Taranteln (Familie Theraphosidae) sind die größten Spinnen der Welt – eine artenreiche Gruppe von über 1.000 beschriebenen Arten, die in den tropischen und subtropischen Regionen aller Kontinente außer der Antarktis verbreitet sind. Entgegen ihrer bedrohlichen Erscheinung und ihres schlechten Rufes sind Taranteln für Menschen weitgehend ungefährlich – ihr Biss verursacht meist nicht mehr als ein schmerzhaftes Insektenstichgefühl, und die meisten Arten sind außerordentlich scheu und ruhig. Als Gruppe zeigen Theraphosidae eine bemerkenswerte Vielfalt in Größe, Aussehen, Lebensraum und Jagdstrategie: Vom Großen Vogelspinne (Theraphosa blondi) Südamerikas, der mit einer Beinspanne von bis zu 30 Zentimetern die größte Spinnenart der Welt ist, bis hin zu zierlicheren Arten, die unter Baumrinden oder in Blütenkelchen leben. Taranteln sind aktive Nachtjäger, die ihre Beute durch Hinterhalt und direkte Verfolgung fangen, anstatt Fangnetze zu weben. Sie sind faszinierende Vertreter der Spinnentierwelt, die in vielen Kulturen sowohl als Nahrungsmittel als auch als Haustier eine Rolle spielen.
Wissenswertes
Taranteln der Neuen Welt, wie die berühmte Mexikanische Rotknie-Tarantel (Brachypelma hamorii), besitzen eine einzigartige Verteidigungswaffe: Brennhaare (Urticating Hairs) auf ihrem Hinterleib. Mit den Hinterbeinen streifen sie diese mikroskopisch kleinen, mit Widerhaken versehenen Haare bei Bedrohung ab und schleudern sie in Richtung des Angreifers. Diese Haare verursachen starken Juckreiz an der Haut und können, wenn sie in die Augen oder Atemwege gelangen, ernsthafte Reizungen verursachen – für kleine Räuber wie Mäuse können sie sogar lebensbedrohlich sein. Taranteln der Alten Welt, wie die afrikanischen und asiatischen Arten, verfügen nicht über diese Brennhaare, haben aber in der Regel stärkeres und aggressiveres Verhalten als Verteidigung entwickelt.
Physische Merkmale
Taranteln sind durch ihren massigen, behaarten Körper und ihre langen, kräftigen Beine gekennzeichnet. Der Körper besteht aus Prosoma (Vorderkörper) und Opisthosoma (Hinterleib), verbunden durch einen schmalen Stiel. Die acht Beine sind mit empfindlichen Haaren besetzt, die Vibrationen, Gerüche und sogar Luftströmungen wahrnehmen können. An den Beinen befinden sich außerdem Haftorgane (scopulae), die es baumbewohnenden Arten ermöglichen, auch an glatten vertikalen Flächen zu klettern. Taranteln haben zwei Chelizeren (Giftklauen), die sie zum Ergreifen und Töten von Beute einsetzen. Die Augen – in der Regel acht an der Zahl – sind für Spinnen dieser Größe verhältnismäßig klein und dienen hauptsächlich der Lichtwahrnehmung; der Hauptsinn ist der Tastsinn über Körperhaare. Männchen sind meist schlanker und kleiner als Weibchen und besitzen reife Palpen mit Geschlechtsorganen.
Verhalten und Ökologie
Taranteln sind überwiegend nachtaktive Einzelgänger, die tagsüber in Röhren, Felsspalten oder unter Rinde ruhen. Sie sind geduldige Hinterleger-Jäger, die am Eingang ihrer Röhre oder auf einem erhöhten Ansitz auf vorbeikommende Beute warten und blitzschnell zuschlagen. Trotz ihrer imposanten Erscheinung sind die meisten Tarantelarten überraschend defensiv: Bei Bedrohung neigen sie zur Flucht oder setzen Brennhaare ein, bevor sie beißen. Einige Arten, besonders die asiatischen Gattungen wie Poecilotheria, sind aggressiver und beißen schneller. Taranteln sind in der Lage, ihre Beine bei Beschädigung zu autotomieren (abzuwerfen) und diese bei der nächsten Häutung teilweise zu regenerieren. Die regelmäßigen Häutungen (Ecdysis), bei denen die gesamte Körperhülle erneuert wird, sind ein faszinierendes Merkmal – während und nach der Häutung sind die Tiere besonders verletzlich.
Ernährung & Jagdstrategie
Taranteln sind opportunistische Fleischfresser, deren Beutespektrum ihrer Körpergröße entspricht. Kleinere Arten fressen hauptsächlich Insekten wie Grillen, Schaben, Käfer und Motten sowie gelegentlich kleine Tausendfüßler oder andere Spinnen. Größere Arten wie die Goliath-Vogelspinne (Theraphosa blondi) können Beute so groß wie junge Mäuse, Frösche, kleine Eidechsen und sogar kleine Schlangen überwältigen. Der Name 'Vogelspinne' bezieht sich auf historische Beobachtungen, nach denen diese Spinnen Kolibris und andere kleine Vögel fingen – obwohl dies selten vorkommt. Die Jagdstrategie besteht aus einem schnellen Überraschungsangriff: Die Tarantel umklammert die Beute mit ihren Beinen, injiziert Gift mit den Chelizeren und verdaut sie anschließend von innen durch das Aufsaugen der verflüssigten Körpermasse.
Fortpflanzung & Lebenszyklus
Die Fortpflanzung der Tarantel ist ein komplexer und für das Männchen riskanter Prozess. Ausgewachsene Männchen verlassen nach ihrer letzten Häutung ihre angestammten Röhren und wandern auf der Suche nach einem Weibchen umher – eine gefährliche Reise, bei der sie oft einige Monate nach der Paarung sterben. Das Männchen trommelt mit seinen Palpen und Beinen auf den Boden, um das Weibchen auf seine Anwesenheit aufmerksam zu machen. Bei einem positiven Empfang überträgt das Männchen sein Sperma mit speziellen Palpenorganen auf das Weibchen und entfernt sich dann schnell, um nicht gefressen zu werden. Weibchen legen einige Monate später einen Eikokon mit 100 bis über 2.000 Eiern, den sie aktiv bewachen und regulieren. Die Jungtiere (Spiderlinge) schlüpfen nach 6 bis 9 Wochen und sind von Anfang an miniaturisierte, selbstständige Spinnen. Weibchen können mehrfach im Leben brüten und erreichen ein deutlich höheres Alter als Männchen.
Menschliche Interaktion
Taranteln haben eine zwiespältige Beziehung zum Menschen. Einerseits werden sie seit Jahrhunderten in manchen Kulturen Südamerikas und Südostasiens als Nahrungsquelle geschätzt – geröstete Taranteln gelten in Kambodscha und Venezuela als Delikatesse. Andererseits sind sie bei Arachnophobikern eines der am meisten gefürchteten Tiere der Welt, obwohl die tatsächliche Gefahr durch ihren Biss für gesunde Menschen gering ist. In der Terrarienhaltung haben sich Taranteln zu beliebten und weit verbreiteten Haustieren entwickelt; besonders ruhige und robuste Arten wie die Mexikanische Rotknie-Tarantel oder verschiedene Brachypelma-Arten werden von Einsteigern bevorzugt. Taranteln spielen im Ökosystem eine wichtige Rolle als Räuber von Insekten und anderen Kleintieren und tragen so zur Regulierung von Schädlingspopulationen bei. Wissenschaftlich werden ihre Giftstoffe intensiv auf medizinische Anwendungsmöglichkeiten untersucht – einige Komponenten zeigen Wirksamkeit gegen Arthritis, Herzkrankheiten und Krebszellen.
FAQ
Wie lautet der wissenschaftliche Name des Tarantula?
Der wissenschaftliche Name des Tarantula ist Theraphosidae.
Wo lebt der Tarantula?
Taranteln besiedeln ein breites Spektrum von Lebensräumen, darunter tropische Regenwälder, Savannen, Wüsten, Gebirgsregionen und Grasländer. Viele Arten sind bodenangebunden und graben ausgekleidete Erdröhren oder leben in natürlichen Hohlräumen unter Steinen, Baumwurzeln oder abgestorbener Rinde. Andere Arten, besonders aus den Gattungen Avicularia und Poecilotheria, sind ausgesprochen baumbewohnend und klettern geschickt in der Vegetation. Die größte Artenvielfalt findet sich in den tropischen Regionen Südamerikas, Afrikas und Südostasiens. Viele Wüstenarten haben sich durch physiologische Anpassungen auf trockenheitsarme Bedingungen eingestellt und können monatelang ohne Wasser überleben. Taranteln sind territorial und verteidigen ihre Röhren oder Reviere gegen Artgenossen, wobei die Beinspanne das Territorium bestimmt.
Was frisst der Tarantula?
Fleischfresser. Taranteln sind opportunistische Fleischfresser, deren Beutespektrum ihrer Körpergröße entspricht. Kleinere Arten fressen hauptsächlich Insekten wie Grillen, Schaben, Käfer und Motten sowie gelegentlich kleine Tausendfüßler oder andere Spinnen. Größere Arten wie die Goliath-Vogelspinne (Theraphosa blondi) können Beute so groß wie junge Mäuse, Frösche, kleine Eidechsen und sogar kleine Schlangen überwältigen. Der Name 'Vogelspinne' bezieht sich auf historische Beobachtungen, nach denen diese Spinnen Kolibris und andere kleine Vögel fingen – obwohl dies selten vorkommt. Die Jagdstrategie besteht aus einem schnellen Überraschungsangriff: Die Tarantel umklammert die Beute mit ihren Beinen, injiziert Gift mit den Chelizeren und verdaut sie anschließend von innen durch das Aufsaugen der verflüssigten Körpermasse.
Wie lange lebt der Tarantula?
Die Lebenserwartung des Tarantula beträgt ungefähr Weibchen 15 bis 30 Jahre; Männchen deutlich kürzer, oft 3 bis 7 Jahre..